Pressemitteilung Frankfurt, 24. Februar 2006
Anwendung von Terminator-Technologie nicht länger tabu
Gentechnik-Konzern Monsanto bricht Versprechen
Anwendung von Terminator-Technologie nicht länger tabu
Gentechnik-Konzern Monsanto bricht Versprechen
Monsanto, der weltweit größte Konzern für Saatgut und Agro-Gentechnik, hat
klammheimlich sein Versprechen zurückgenommen, auf die umstrittene
Terminator-Technologie zu verzichten. 1999 hatte Monsanto öffentlich
zugesagt, kein Saatgut auf den Markt zu bringen, das durch gentechnische
Manipulation nicht mehr in der Lage ist, keimfähige Samen zu produzieren.
Dass diese Zusage nicht mehr gilt, entdeckten Aktivisten der Kampagne "Freie Saat statt tote Ernte" jetzt bei einer Analyse des jüngsten
Geschäftsberichts: Darin erklärt Monsanto, Terminator-Gene in
Nicht-Nahrungspflanzen nutzen zu wollen, und auch eine weitere Nutzung
wird nicht mehr ausgeschlossen (Link unten).
"Mit diesem Bruch des eigenen Versprechens beweist Monsanto erneut, wie
wenig seinen Aussagen zu trauen ist", kritisierte Mute Schimpf,
Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.
"Der Konzern will den Bauern auf der ganzen Welt das traditionelle Recht
nehmen, einen Teil ihrer Ernte als Saatgut zu verwenden."
Monsantos Kehrtwendung kommt mitten in einer aktuellen Auseinandersetzung
über die Zukunft der Terminator-Technologie. Im Jahr 2000 hatte die
UN-Biodiversitätskonvention ein De-facto-Moratorium für Technologien zur
Produktion von Selbstmord-Saatgut beschlossen. Bei der kommenden
Vertragsstaatenkonferenz der Konvention in Curitiba/Brasilien (20.-31.
März 2006) soll das Moratorium gekippt werden. Neben der
Gentechnik-Industrie setzen sich hierfür vor allem die Regierungen von
Kanada, Neuseeland und Australien ein. Der jüngste Vorstoß von Monsanto
sei ein Teil dieser Strategie, sagte Andreas Bauer vom Umweltinstitut
München: "Im aktuellen Text für die Konferenz in Curitiba wird
vorgeschlagen, Terminator-Technologien einer Fall-zu-Fall-Betrachtung zu
unterziehen, wie es auch Monsanto fordert. Die gravierenden sozialen
Folgen einer Sterilisierung von Saatgut werden dabei völlig ignoriert."
Als Antwort auf die Bestrebungen der Industrie unterstützen inzwischen
mehr als 370 Organisationen weltweit die Forderung nach einem globalen
Verbot der Terminator-Technologie. Sie betonen, dass Selbstmord-Saatgut
die biologische Vielfalt und die Existenz der über 1,4 Milliarden Menschen
bedroht, die auf selbst erzeugtes Saatgut angewiesen sind.
Die deutsche Kampagne "Freie Saat statt tote Ernte" sammelt weiter
Unterschriften auf der Webseite www.freie-saat.de. Damit wird die
deutsche Regierung aufgefordert, sich auf der Konferenz der
Biodiversitätskonvention gegen die Terminator-Technologie einzusetzen.
"Die Bundesregierung darf nicht tatenlos zusehen, wie gefährliche Fakten
geschaffen werden. Um das Terminator-Moratorium zu retten, muss
Umweltminister Gabriel aktiv werden", forderte Oliver Moldenhauer vom
Attac-Koordinierungskreis.
Für Rückfragen:
- Mute Schimpf, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft:
Tel. 0170/1724891
- Oliver Moldenhauer, Attac AG Wissensallmende,
Tel. 0177/3068911
- Andreas Bauer, Umweltinstitut München:
Tel. 089/307749-14
Weitere Informationen:
Kampagnenbüro "Freie Saat statt tote Ernte",
c/o BUKO Agrar Koordination, Sandra Blessin,
Tel. 040-392526, info@freie-saat.de
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